E-Mail aus Shanghai – 12

Hallo Ihr Lieben,

bei uns endet heute das Schul- bzw. Kindergartenjahr der Deutschen Schule Shanghai und es starten wieder die Heimflüge für die meisten Deutschen. So auch für uns. Heute abend geht es für zwei Wochen nach Deutschland. Wir sind schon gespannt, wie Deutschland nach mehr als einem Jahr China auf uns wirkt.  Die Fussball-WM ist hier für uns natürlich auch ein großes Thema.

Aber auch für die Chinesen, auch wenn das chinesische Team nicht mit dabei ist. Beim Einkaufen auf einem der berühmten Fake-Märkte wusste die Verkäuferin am Tag nach dem Spiel das Ergebnis von Deutschland gegen Australien – wobei die Spiele bei uns nachts um halb drei gezeigt werden. Auch der Taxifahrer hat mich gefragt, woher ich komme – und die sind ansonsten immer sehr wortkarg bei den Langnasen. Als ich mich als Deutsche ausgab, hat auch er mir gleich das Ergebnis genannt. Und dass Deutschland sehr gut sei. Also echte Fußball-Begeisterung. Fussball verbindet eben!!

In diesem Jahr haben wir einige Bosch-Kollegen zusammengetrommelt und mit 5 VW-Kollegen zusammen an einem der traditionellen Drachenbootrennen teilgenommen. In China gibt es das Drachenbootfest, an dem die Chinesen 3 Tage frei haben. Überall werden solche Rennen veranstaltet. Mit 19 Personen fuhren wir auf die Rennstrecke, einer Ruderanlage am Rande von Shanghai. Die meisten von uns waren das erste Mal dabei. Die Instruktionen waren auf chinesisch – also auch nicht besonders hilfreich. Die gemeinsamen Aufwärmübungen mit 100 Personen konnten wir dann durch Nachmachen ganz gut mitmachen. Dann gings in die Boote und 45 Minuten üben. Natürlich haben wir die Konkurrenz aus den anderen vier Booten neugiereig betrachtet. Wir waren das Boot mit dem höchsten Frauenanteil von 50 % und dann noch viele Ungeübte. Unsere Chancen waren also nicht so prickelnd. Unsere Trommlerin und Motivatorin meinte nur, dass seien überwiegend chinesische Männer, die hätten nicht so viel Atem. Als es dann losging paddelten wir wie verrückt. Keine wusste so recht, wie lange wir paddlen müssen, also einfach immer weitermachen. Irgendwann war dann Schluss – wir haben es zunächst gar nicht bemerkt. Aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Wir haben gewonnen!!! Nach drei Minuten, die uns wie Stunden vorkamen, haben wir mit drei Sekunden Vorsprung als Erste das Ziel erreicht. Der Jubel war groß!!! Als Preis winkte uns ein Essensgutschein von einem Amerikanischen Restaurant – nein nicht das mit dem gelben M, das ist kein Restaurant. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß und gelohnt hat es sich auch noch….

Hier in China gibt es ein wichtigstes Thema und das ist Essen. Hier fragt man nicht “Wie geht es Dir?”, sondern “Ni chi le ma?” was so viel heißt wie “Hast Du schon gegessen?” und dann wird weiter darüber gesprochen, was, wann, wieviel etc. Hier in Shanghai ist zudem die Auswahl der Restaurants riesig. Es gibt kaum eine Küche, die es hier nicht gibt. Unsere Highlights waren: Australisch – Emufleisch war sehr lecker, Koreanisch – wie grillen am Tisch, nur scharf, Singapore-Indonesisch – sehr lecker, nur unter Salat verstehen wir etwas anderes, Südchinesisch – viel Reis, eher süß, Nortwest-chinesisch – viel Nudeln, Getreide und Sojamilch, Indisch – wir haben einfach bestellt und uns überraschen lassen, was kommt. Sehr empfehlenswert. Wir waren auch nach über einem Jahr wieder italienisch Essen – nach so viel asiatisches Essen, haben wir Pizza wieder richtig genossen. Gut, dass wir noch einige Zeit hier sind und alles ausprobieren können.Mein (Monika) Favorit sind ja die Desserts. Die gibt es hier auch, aber doch etwas anders als bei uns. Viele Sachen sind mit süßem Klebreis und Roter-Bohnen-Paste. Und es schmeckt für mich auch so, wie es klingt – sehr seltsam. Meine Bekannte aus Malaysia freut sich nach 10 Jahren Deutschland, endlich wieder ein tolles Dessert zu haben. Geschmäcker sind eben sehr unterschiedlich. Aber solange es hier auch Ritter Sport Schokolade zu kaufen gibt, sind auch wir zufrieden. Eis ist auch toll: Wir haben jetzt tolles Eis-Wetter (35 Grad). Man muss nur aufpassen, dass das Eis nicht schneller schmilzt als man es essen kann. Ich habe mich riesig auf das grüne Pistazien-Eis gefreut. Bis ich es zu Hause probiert habe und festgestellt habe, dass grünes Eis in China Grüner Tee-Eis ist. Meine Bekannt aus Malaysia liebt das – übrigens auch das Rote-Bohnen-Eis, genauso wie alle Chinesen. Also für mich ist es – nett ausgedrückt – gewöhnungsbedürftig.

Wie jedes Jahr im Juni war es wieder so weit: Die Verabschiedungsparties. Da die meisten 2-4 Jahre bleiben, ist es hier immer ein reger Wechsel. Im August/September kommen dann die Neuen. Die Abschiedsgeschenke sind auch immer sehr ähnlich: Steinlöwen, Steinelefanten, Fotografie 120 x 45 cm von Shanghai mit dem hohen Wolkenkratzern oder wahlweise auch ein Gemälde davon. Ich bin sicher, auch wir werden uns eines davon zum Abschied in einigen Jahren wünschen. Das tolle bei den vielen Verabschiedungen ist, dass man sich schon mal das Schönste aussuchen kann und die anderen haben die Arbeit, es zu besorgen.

Expo-Spezial: Wir fragen uns noch immer, ob eine Familie hier aus unserem Compound (Wohnsiedlung) Schuld ist am Rückritt von Horst Köhler. Die Familie hat unseren damaligen Bundespräsidenten einige Tage vor seinem Rückritt im Rahmen des Deutschen Tages auf der Expo interviewt. Wir haben auch nachgefragt, aber die Familie ist sich keiner Schuld bewusst. Man müsste also Herrn Köhler direkt nochmals befragen. Am Anfang war auf der Expo wenig los, d.h. pro Tag 100.000 bis 200.000 Besucher. Deshalb war ich gleich 3x dort. Nur im Deutschen Pavillon war ich noch nicht, da ich keine zwei Stunden anstehen wollte. Inzwischen sind es über 500.000 Besucher und man muss 4-5 Stunden warten. Beim chinesischen Pavillon muss man eine Reservierung haben, aber eine halbe Stunde nach Eröffnung der Expo sind bereits alle Karten weg. Beim sehr beliebten Saudi-Arabischen Pavillon (dem teuersten nach dem Chinesichen) musste man bis zu 9, in Worten neun, Stunden anstehen!!! Wie verrückt ist das denn!!! Hoffentlich sind es irgendwann wieder etwas weniger Besucher und ich kann nochmals losziehen.

So, jetzt geht´s wieder ans Packen. Wie gesagt, heute abend fliegen wir Richtung Heimat. Behaltet das schöne Wetter noch eine Weile! In den nächsten Shanghai-News könnt Ihr dann nachlesen, was uns in Deutschland alles komisch vorgekommen ist :-) )

Herzliche Grüße Monika, Andreas und Tim



Die nächsten Termine

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