E-Mail aus Shanghai – 9

wj_monika_andreas_shanghaiHallo Ihr Lieben,

wie wir gehört haben, habt Ihr in weiten Teilen Deutschlands gerade schönes Weihnachtswetter, wenn auch etwas zu kalt. Auch bei uns sind die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Auf die viel gestellte Frage, ob es hier in China auch Weihnachten gibt, gibt es nur eine Antwort: Ja und nein. Klar wird hier nicht christliches Weihnachten gefeiert, aber in Sachen Weihnachtsschmuck und Weihnachtsdekoration können sich die Deutschen noch eine Scheibe abschneiden. Das Meiste empfinden wir am Anfang als kitschig, aber wenn man sich mal daran gewöhnt hat, ist es klasse. Wir finden auch unseren künstlichen Christbaum als sehr schön – immerhin 2,4 m hoch. Übrigens ist für die Chinesen eines an Weihnachten wichtig: Einkaufen – es gibt im Jahr keine andere Zeit, an denen es so viele Rabatte gibt.

Der skurrilste Weihnachtsbaum, den wir gesehen haben, stand vor einem Shoppingcenter. Es war eine beleuchtete grüne Pyramide mit Stern oben drauf – bestehend aus vielen, vielen Heineken-Bierflaschen. Und die bei Dunkelheit blinkend :-) Und die Beschallung ist auch einmalig. Schon seit einigen Wochen plärrt mich der Lautsprecher im Supermarkt mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf Englisch zu. Leise ist hier in China ohnehin schwierig… Aber Tim kann “Jingle Bells” inzwischen auf Deutsch, Englisch und Chinesisch singen.

Aber nochmals zurück zu unserem Besuch aus Nürnberg. Vielen Dank für die Lebkuchen als Mitbringsel :-) Hier gibt es zwar auch importierte Lebkuchen, aber fragt nicht nach dem Preis. Andrea und Kerstin haben hier einen wahren Besichtigungsmarathon unternommen. Die beiden kennen Shanghai fast besser als ich. Und dazu kam noch ein 4-tägiger Kurztrip nach Peking. Wir haben mit den beiden aber auch wieder das Hänschen und Gretel-Spiel probiert. Diesmal war es schon viel spannender. Übersetzt heißt das, wir haben Andrea und Kerstin mit dem Taxi nach Hause fahren lassen. Das ist immer ein Roulette-Spiel, weil sich positiv ausgedrückt, nicht alle Taxifahrer so gut auskennen. Diesmal wusste der Taxifahrer nach der Hälfte der Fahrt nicht mehr weiter. Wir konnten nur den Tipp geben: Aussteigen und sich ein neues Taxi suchen – und das am Abend bei Dunkelheit an einer vielbefahrenen Straße. Aber sie haben das Abenteuer überlebt und sind dann doch noch heil bei uns angekommen. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Besucher besser :-)

Und wieder einmal sind wir an unseren Sprach- bzw. Leseschwierigkeiten gescheitert: Wir wollten für unser Bad einen Luftentfeuchter kaufen. Im B & Q, dem OBI von China, standen zwei Geräte, auf denen Zeichen wie Lüftung/Ventilator, Wasser etc. waren. Da das Gerät sehr günstig war, haben wir eines gekauft. Zu Hause probierten wir das gute Stück aus. Nach 3 Stunden war immer noch kein Wasser im Auffangbehälter. Andreas nahm dann die chinesische Beschreibung mit in die Arbeit. Die Kollegin erklärte ihm die Arbeitsweise des Gerätes. Dabei wurde er stutzig, als sie meinte, man muss in das Gerät Wasser einfüllen. Wieso denn das – das Gerät sollte doch der Luft Wasser entziehen. Richtig – wir hatten einen LuftBEfeuchter und keinen LuftENTfeuchter gekauft. Gott sei Dank war das Gerät günstig….

Inzwischen ist auch erkennbar, dass die Weltausstellung Expo bald beginnt (im Mai 2010). Die Baustellen sind zur Zeit enorm. Das faszinierende daran ist, dass man oft kaum etwas von einer Bautätigkeit mitbekommt und plötzlich fährt man bei einer Umleitung durch einen neu erbauten Tunnel. Wo kam der denn so plötzlich her? An einer bisher großen Kreuzung mit einer Ebene werden einige Ebenen an Hochstraßen gebaut. Man baut verschiedene Straßenteile und führt dann die Straßen zusammen. Es ist wie ein Puzzlespiel. Ich hoffe, sie finden zu jedem Straßenteil ein passendes Gegenstück :-) Die neue U-Bahn-Haltestelle ganz hier in der Nähe kommt für Andrea und Kerstin leider etwas zu spät. Aber ich wollte sie auch nicht um die Lebenserfahrung bringen, nachts an einer großen Straßenkreuzung das Taxi wechseln zu müssen.

Außerdem haben wir einen 5-tägigen Abstecher nach Tokio gemacht. Andreas musste arbeiten und Tim und ich haben uns einen kleinen Teil von Tokio angeschaut. Bei offiziellen 35 Millionen Einwohnern kann man die Stadt aber auch nur ein wenig kennenlernen. Aber es war toll. Das interessanteste war, dass es zwischen Japanern und Chinesen kaum Gemeinsamkeiten gibt. Es kann unterschiedlicher fast nicht sein: In Japan ist der Verkehr zwar auf der falschen Seite, aber übersichtlich. Es gibt noch viel mehr Menschen, die sich aber an jeder Schlange mehr als ordentlich und rücksichtsvoll anstellen. Die Freundlichkeit ist hier wahnsinnig toll, aber auch die vielen Regeln, an die man sich halten muss. Da geht es in China deutlich lockerer zu. Und ein gewaltiger Unterschied sind auch die Lebenshaltungskosten. In Japan muss man für den gleichen Lebensstandard ein Vielfaches von dem in China ausgeben.

Auch in Japan, einem nicht-christlichen Land, war alles voller Weihnachtsdekoration. Hier hatten wir ein tolles Erlebnis: Wir haben für Tim ein Eis gekauft. Das 5-köpfige Verkaufsteam hat dann gemeinsam für Tim das Weihnachtslied “We wish you a merry icecream, we wish you a merry icecream, we wish you a merry icecream and a happy new year” lalala geträllert. Das Hauptargument, warum wir aber wieder nach China zurückgegangen sind, hat uns Tim gegeben: Beim McDonalds gibt es zu den Chicken McNuggests nur Mustard- oder Barbecue-Sauce und keine Süß-Sauer-Sauce….

Wir wünschen Euch schöne Weihnachten und besinnliche Feiertage im Kreis Eurer Lieben sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr – haben wir eigentlich schon erwähnt, dass wir in Phuket/Thailand ins neue Jahr rutschen – uns ist es hier zu kalt.

Lasst Euch im alten Jahr nicht mehr zu sehr stressen.

Weihnachtliche Grüße
Monika, Andreas und Tim




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